Ausgangssituation

Aktuell sind die Anzahl und der Anteil der 55- bis 64-Jährigen in der Erwerbsbevölkerung vergleichsweise gering (vgl. Abbildung 1 [PDF]).

Abbildung 1 (vergrößern – PDF)

Die Erwerbstätigenquote dieser Altersgruppe liegt in 2006 bei lediglich 48 Prozent; die der 60- bis unter 65-Jährigen bei nur 29,6 Prozent. In den kommenden Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge, die so genannten „Baby-Boomer“, in die höheren Altersklassen aufrücken, kehrt sich das zahlenmäßige Verhältnis von Alt zu Jung jedoch um. Zugleich ist der Anteil junger Erwerbspersonen rückläufig.

„Verlängerung der Lebensarbeitszeit“, so lautet die neue Devise angesichts dieser europaweiten Entwicklung. Der Europäische Rat von Stockholm hat schon im Jahr 2001 das Ziel formuliert, dass bis 2010 die Hälfte der EU-Bevölkerung in der Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren erwerbstätig sein solle. Und gemäß dem Europäischen Rat von Barcelona sollte angestrebt werden, dass das Durchschnittsalter bei Beendigung des Arbeitslebens in der Europäischen Union bis 2010 allmählich um etwa fünf Jahre ansteigt. In Deutschland, wie in vielen anderen europäischen Ländern, sind gesetzliche Neuregelungen auf den Weg gebracht, die auf das Ende der Frühverrentungsförderung und auf einen späteren Berufsaustritt zielen.

Ältere sind im Vergleich zu jüngeren Beschäftigten nach vorliegenden arbeitswissenschaftlichen Studien grundsätzlich nicht weniger leistungsfähig als jüngere, sofern als Kriterium das erbrachte Arbeitsergebnis zu Grunde gelegt wird. Diesem Ergebnis entsprechen auch die Einschätzungen von Personalverantwortlichen (vgl. Abbildung 2 [PDF]).

Abbildung 2 (vergrößern – PDF)

Erhebliche Einsatzeinschränkungen treten jedoch dann und gehäuft bei Älteren auf, wenn diese aus gesundheitlichen Gründen nicht (mehr) in der Lage sind, den an sie gestellten Anforderungen nachzukommen.

Gesundheitliche Gründe sind eine der wichtigsten Ursachen, derentwegen 55- bis 64-Jährige in Deutschland aus dem Berufsleben ausscheiden (vgl. Abbildung 3 [PDF]).

Abbildung 3 (vergrößern – PDF)

Betrachtet man die Daten zur Arbeitsunfähigkeit (AU), so zeigt sich, dass die Anzahl der AU-Fälle im mittleren und höheren Erwerbsalter eher geringen Schwankungen unterliegt. Die Anzahl der AU-Tage steigt mit dem Alter jedoch stark an (vgl. Abbildung 4 [PDF]).

Abbildung 4  (vergrößern – PDF)

Dies gilt insbesondere bei bestimmten Berufsgruppen, wie Maurern oder Zimmerern (vgl. Abbildung 5 [PDF]).

Abbildung 5 (vergrößern – PDF)

Deutliche berufs- bzw. tätigkeitsbezogene Unterschiede zeigen sich auch, wenn man die Anteile der Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit nach Berufen aufschlüsselt. Während beispielsweise bei Dachdeckern oder Fliesenlegern über 40 Prozent der Rentenzugänge in 2003 auf Grund verminderter Erwerbsfähigkeit erfolgen, liegen die entsprechenden Quoten etwa bei Ärzten oder Maschinenbauingenieuren bei unter sechs Prozent (vgl. Abbildung 6 [PDF])

Abbildung 6 (vergrößern – PDF)

Es sind also bestimmte Tätigkeitsfelder und Berufsgruppen, wo Arbeit im Alter zum Problem wird. „Alterskritisch“ sind zum einen die eher klassischen Arbeitsbelastungen wie körperliche Fehlbeanspruchungen, hohe Arbeitsumgebungsbelastungen oder Schichtarbeit. Alterskritisch sind zugleich die in unserer Gesellschaft zunehmenden psychischen Belastungen, z.B. Daueraufmerksamkeit oder hoher Zeitdruck.

Die Einsatz- und Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer unterscheiden sich außerdem stark je nach Qualifikation. 55- bis 64-Jährige ohne Berufsabschluss oder mit einer Lehrausbildung sind nur in geringem Maße erwerbstätig, während für die Hochqualifizierten in der gleichen Altersgruppe gilt: Das vom Europäischen Rat von Stockholm formulierte Ziel einer Beschäftigtenquote von 50 Prozent ist nicht nur längst erreicht, sondern weit überschritten (vgl. Abbildung 7 [PDF]). Gerade in Arbeitsbereichen mit hohen körperlichen Belastungen sind vergleichsweise viele Geringqualifizierte beschäftigt.

Abbildung 7 (vergrößern – PDF)

Genau für solche Tätigkeitsfelder, in denen ein vorzeitiger Berufsaustritt der Beschäftigten bislang die Regel ist, besteht ein hoher Handlungsbedarf. Um hier ein längeres Arbeiten zu ermöglichen, bedarf es gesunder Organisationen, die sich um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Belastungen und Anforderungen der Arbeit und den Fähigkeiten der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bemühen, die Alternsgesichtspunkte bei der Gestaltung von Arbeit und Personaleinsatz berücksichtigen und Potenziale und Ressourcen der Beschäftigten fördern.